Samstag, 17. April 2010

Pilbara; Rot trifft Grün

Nach fast einer Woche Outback haben wir heute mal wieder Internet und müllen euch mit Bildern zu und Charly, Reifen wechseln wir zwischenzeitlich im Schlaf, 3 neue sind schon drauf.

Am Montagmorgen sind wir also erstmal auf Werkstatttour. Der erste Reifenhändler hatte keine Zeit, aber im Tom Price gibt es sogar 2 Reifenhändler, bzw, Allesreparierer. Bei dem zweiten hat es dann sofort geklappt, wir haben jetzt einen funkelnagelneuen Reservereifen. (C.: ich sag doch, bald gehört das Auto uns)

Als größeres Problem stellte sich der Gasschlauch dar. Im einzigen Baumarkt des Ortes gab es keinen und auch an den anderen Stellen, zu denen wir geschickt wurden, war nichts.

Wir sind dann schließlich zum Grobschlosser gefahren und haben das Ding mit 2 großen Zangen so auf den Herd gewürgt, das es vermutlich nie mehr ab geht. Jetzt bleibt der Gasschlauch halt am Herd und dafür wird der Anschluss an der Flasche demontiert und alle sind glücklich.

Mit dem ganzen Rumgerenne haben wir schließlich noch ein paar Wäschestücke, die wir auf dem Campingplatz aufgehängt hatten, vergessen, aber nur Kleinigkeiten, 1 T-Shirt, unsere Wandersocken und eine meiner, zum Glück zwei, Badehosen.
Das haben wir ganz genau hier gemerkt, als wir um die Mittagszeit im 60km entfernten Karijini-NP angekommen sind. Da sich zurückfahren wegen der paar Sachen nicht lohnte, haben wir es ausgebucht. (und nun 200 Gramm Gepäckreserve und Wandersocken haben wir auch noch)


Auf dem Weg in den Park gab es auf einem Berg bei einem Parkplatz eine sehr schöne Gedenkstätte. Die Leute nehmen sich einfach einen Stein und schreiben ihre Erinnerungen an ihre Angehörigen oder Freunde darauf und legen den Stein in diese wunderbare Landschaft.








Die weiteren Bilder sind auch auf dem Weg zum NP aufgenommen.






Im Nationalpark haben wir uns die einzelnen Walks, die wir am nächsten Tag machen wollten, angeschaut und sind dann auf den Campground gegangen.


Am nächsten Morgen sind wir ganz früh an die stark frequentierten Fortescue Falls gelaufen
und waren dort tatsächlich die ersten, die im Pool unterhalb der (im Moment sehr kleinen) Wasserfälle baden konnten.



Durch die Schlucht sind wir dann 3 km weiter zum Circular Pool gewandert und haben dort das 2. Bad genommen.



Die Ausblicke, die man aus der Schlucht hat, sind manchmal einfach traumhaft und man sieht auch hin und wieder etwas Wildlife.



Dann wieder zurück über die Wasserfälle mit erneutem Badestopp und dann wieder raus aus der Schlucht.

Der NP ist durch die vielen Bademöglichkeiten mit der Schönste, in dem wir bisher waren. Es läuft sich bei der Hitze einfach viel entspannter, wenn man weiß, dass am Ende ein schöner Badepool wartet. (C.: ist nur ein bisschen lästig dauernd Wanderschuhe aus, Wasserloch durchqueren, Wanderschuhe an, Wanderschuhe aus, Wasserloch durchschwimmen, nasse Füße in die Wanderschuhe und weiterlaufen)

Nachmittags sind wir dann zur anderen Parkseite gefahren. Hier gibt es einen privat betriebenen Campground, der sogar über Duschen verfügt. Das Wasser wird täglich mit Tankwagen aus Tom Price herangekarrt, was man zwar nicht verstehen kann, weil es hier in den Schluchten ja überall Wasser gibt. Vermutlich geht es um so etwas wie Trinkwasserqualität. (C.: trotz dem ganzen Wassergedönse den ganzen Tag haben wir abends eine leicht rote Patina und eine Dusche mit etwas Seife tut nur gut) Hier leisteten uns viele Spinifextauben Gesellschaft, die richtig schön aussehen. (Spinifex sind die komischen pistazienfarbenen Grasbüschel auf den Bildern, die so zäh sind, dass nicht mal die Kängurus sie fressen)












Unterwegs haben wir uns an 2 Aussichtspunkten, von denen man in die Schluchten schauen kann, ...



dann wieder die Wanderungen für den nächsten Tag ausgesucht und haben noch einen kleinen leichten Walk in die Kalamina Gorge eingeschoben (C.: der war wirklich leicht)


und sind danach zum Campground gefahren. Hier kann man, wie schon in den letzten Tagen, abends bei Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad stundenlang draußen sitzen und in einen riesigen Sternenhimmel schauen.

Am Mittwochmorgen sind wir wie immer früh losmarschiert und zur Dales Gorge gefahren (C.: wenn man nicht früh morgens in die Gänge kommt, ist es viel zu heiß für solche Wanderungen. Die Steine, über die man klettern muss, eignen sich um die Mittagszeit perfekt zum Spiegeleibraten). Über einen 3km langen Abstieg sind wir zum Handrail Pool gelaufen, wobei wir teilweise wieder durch kleinere Pools laufen (schwimmen, schlittern, rutschen) mussten. (Mit Rucksack und Fotoapparat gar nicht so einfach, ohne dass alles nass wird)


Am Ende erwartete uns aber eine fantastische Schlucht, die auf den letzten Metern so eng wurde, dass man gerade noch durch kam.


Hier gab dann der Akku unseres Fotos den Geist auf, weshalb es davon keine Bilder gibt. Die Schlucht endet ca. 10 Meter über dem Handrail Pool, der so heißt, weil man nur über ein Geländer und die letzten 4 Höhenmeter an einem Seil über das schmierige Gestein nach unten ins Wasser kommt. Dort waren wir auch wieder die ersten am Morgen und sind nach einem Bad zurückgelaufen, diesmal aber den kürzeren, direkten Weg zum Parkplatz.

Danach sind wir in die Joffre Gorge abgestiegen, ein absolut abenteuerlicher Weg, bei dem man die letzten 50 Höhenmeter fast senkrecht an der Felswand nach unten klettern muss. (C.: ich weiß immer noch nicht, nach welchen Kriterien die australischen Walks klassifiziert werden, das war wieder ein „moderater Walk“, für mich war das Freeclimbing pur). Deshalb ist der Weg nicht stark frequentiert und wir waren fast 2 Stunden dort völlig alleine an einem großen Badepool. Danach begann der beschwerliche Aufstieg, den ich kurze Zeit später wiederholt habe.


Als wir nämlich fast oben waren fiel mir ein, dass meine Badehose – und das ist die letzte, weil die andere ja in Tom Price an der Leine hängt, noch unten liegt.



Im Rekordtempo von 15 Minuten (der Weg ist hin und zurück mit 2 Stunden angegeben) nochmals runtergesaust, Badehose geholt und wieder hoch geklettert. Danach erstmal 1 Liter Wasser getrunken und dann wieder zurück zum Campground. (C.: seht ihr auf den Bildern auch nur einen vernünftigen Weg? Hier geht es immer nur direkt die Wand runter und dann, ächz, wieder hoch)

























Am Donnerstag sind wir dann in Richtung Millstream NP aufgebrochen. Am Weg liegt die Hamersley Gorge, die noch zum Karijini NP gehört. In der Gorge ist unterhalb eines kleinen Wasserfalls ein schöner Badepool und im weiteren Verlauf kann man dann die Gorge zwischen den steilen Felswänden entlang schwimmen. Wir waren mal wieder die ersten am Morgen und hatten das ganze Wässerchen für uns alleine.



Mit der Zeit trafen allerdings immer mehr Leute ein, so dass wir noch über den Wasserfall hochgeklettert sind, was übrigens ein offizieller, wenn auch nicht beschilderter, Walk aus dem Prospekt des NP ist.



Das Klettern über das Gestein ist recht gefährlich, da die Felsen absolut glattgeschliffen sind und man selbst in Wanderschuhen kaum Halt hat.

So ist es dann auch passiert, dass ein junger Mann, der hinter uns ebenfalls hoch wollte und wahrscheinlich gedacht hat, was eiern die Alten so rum, an einer Felskante den Halt verlor, nach hinten wegrutsche und direkt vor unserer Nase wie ein Maikäfer 3 Meter tiefer mit dem Rücken voraus abstürzte und auf die Felsplatte knallte. Er hatte riesiges Glück, weil er einen ziemlich fetten Rücksack aufhatte und dieser den Sturz wohl gut gedämmt hat. Außer einem offenen Knie und diversen Prellungen ist ihm nichts passiert. (C.: ich stand direkt auf der anderen Seite, weil ich den Weg mit den runderen Steinen bevorzugte, und hab dermaßen einen Schreck bekommen, dass ich danach ganz wackelige Knie hatte. So wie der gefallen ist hätte er sich den Hals brechen können, wenn irgendwo noch eine kleine Felsnase vorgestanden wäre)

Bereits am Tag vorher war an den Fortescue Falls ein kleiner Junge auf den glitschigen Steinen ausgerutscht und hat sich den Hinterkopf auf eine Felskante gehauen, was eine satte Platzwunde zur Folge hatte.

Wenn man dann noch auf den Schildern liest, dass so eine Rettungsaktion aus einer Schlucht schon mal 13,5 Stunden dauern kann ist es wirklich nicht ratsam, sich dort ernsthaft zu verletzen. Alleine bis ein Arzt da ist, gehen mindestens 3 bis 4 Stunden rum. (C.: man hat ja hier in den Schluchten auch den besten Handyempfang; wir hatten 6 Tage lang keinen und es funktioniert hier nicht mal ein Satellitentelefon)



Nach dem aufregenden Unfall und weil immer mehr Leute kamen, haben wir uns gegen 12.00 Uhr dort verzogen und sind entlang der Eisenbahnschienen in Richtung Millstream NP gefahren.

Für diese Strecke hatten wir uns in Tom Price extra eine Erlaubnis geholt, weil die Straße den Minengesellschaften gehört, die auch die Eisenbahnlinien betreiben. Im 15 Minuten Abstand fuhren in beide Richtungen Züge mit je ca. 300 Güterwaggons (nach 200 haben wir aufgehört zu zählen und nur noch geschätzt), die das eisenhaltige Gestein zur Küste transportieren, wo es zur Eisengewinnung nach Asien verschifft wird. Jeder Zug hat 3 riesige Lokomotiven und das Ganze sieht schon beeindruckend aus.



Das Beste war, dass es auf dem Stück einige vereinzelte schwarze Wolken hatte, so dass es immer wieder mal gerade so viel geregnet hat, dass das Auto außen schön feucht wurde.




Da die Strasse, wie man sieht, dabei nicht mal so nass wurde, dass es aufhörte zu stauben, gab das einen schönen Bäpp auf der Karre. (C.: und ihr zu Hause macht so ein Gedöns wegen einem bisschen Staub von einem weit entfernten Vulkan. Wir haben das hier täglich und zwar hautnah; im wahrsten Sinne des Wortes)











Die Wetterlage änderte sich aber von Kilometer zu Kilometer, so dass es auch so aussah:







Im Millstream NP sind wir auf einen Campground, der direkt am Fluss liegt, gegangen. Ohne Wasser ist es nämlich kaum noch auszuhalten, weil die Temperaturen zwischenzeitlich immer tropischer werden (C.: Zum Glück haben wir uns in Perth einen Heizlüfter geben lassen)

Als wir ankamen, saßen in den Bäumen rund um den Campingplatz tausende von Kakadus, die ein unablässiges ohrenbetäubendes Geschrei vollführten.



Mit Einbruch der Dunkelheit flogen alle Kakadus, wie auf Kommando, auf einmal mit einem wahnsinnigen Geschrei los und waren binnen einer Minute komplett im Hinterland verschwunden. Hitchcocks „Vögel“ ist ein Trauerspiel dagegen.



Schlagartig trat eine absolute Stille ein.

Am nächsten Morgen, der hier so aussieht,


kamen mit dem ersten Tageslicht ein paar der Kakadus zurück, um die Touris zu wecken. Als alle auf dem Campground aufgestanden waren (C.: es war dann doch immerhin schon 6.11 Uhr!!) (M: wenn man um 8 Uhr abends pennt, reicht das auch) (C.: im Lebe nit), verschwanden sie wieder, und bis gegen 10.00 Uhr war es ziemlich ruhig. Dann kam die ganze Schar vom Vortag wieder unter ohrenbetäubendem Geschrei zurück und nahm wieder die Plätze vom Vortag ein.

Das Spiel wiederholt sich hier jeden Tag und weil es ein einmaliges Naturschauspiel ist, haben wir uns beim Frühstück entschlossen, noch einen Tag hierzubleiben.

Den haben wir als kompletten Faultag (C.: Zum Leidwesen von M. ohne Waschmaschine) mit viel Kakadugeschrei und regelmäßigem Baden im Fluss hier gut mit einem fantastischen Sonnenuntergang rumgebracht.


Das regelmäßige Baden hilft allerdings zwischenzeitlich nicht mehr gegen die rote Tönung, die man so nach und nach annimmt. Was man in die Hand nimmt, ist komplett rot vom Staub und an das Auto darf man auch nicht kommen, sonst sieht man aus wie S…, obwohl ich es am letzten Sonntag komplett gewaschen habe. (C.: hab doch gesagt, ist unnötig) (M: man wäscht sich ja schließlich auch, obwohl man wieder dreckig wird) (C.: aber ins ungemachte Bett liegt man hier auch) (M: das liegt ja wohl eindeutig an C., das fällt in ihren Zuständigkeitsbereich, ich wasch ja ständig das Laken und mach es bei 40 Grad wieder drauf) (C.: selber schuld) (M: Sie muss das letzte Wort haben!!) (C.: natürlich, ist doch so)

Der hier wollte unbedingt bei uns schlafen, was ihm auch gestattet wurde.


Allerdings war es schwierig, den Walter heute vor dem Zusammenklappen des Daches zu finden, denn er hatte sich in einer Fensterfalz versteckt.

Heute haben wir unsere Idylle schweren Herzens aufgegeben und sind noch in den nördlichen Teil des Millstream NP, an den Python Pool gefahren, angeblich die schönste Stelle im Park. Auf dem Weg dorthin hat sich die Landschaft dramatisch verändert und es war aus mit dem Rot und Grün, es war nur noch karg und braun




 
 
und in dem Pool hat nicht nur der Wasserfall gefehlt, sondern auch einiges an Wasser
 

Insofern haben wir alles richtig gemacht, dass wir im unteren Teil des Parkes geblieben sind, weil unser Campground wesentlich schöner war.

Obwohl es bis zum Python Pool fast 20 km nur Mondlanschaft war, steht dann plötzlich einsam und alleine das am Straßenrand:

 
Die Weiterfahrt nach Karratha ging wieder entlang der Eisenbahnlinie, diesmal aber auf asphaltierter Straße. In Katharra sind wir erst mal wieder in ein großes Shoppingcenter und haben unsere Vorräte aufgefüllt. (C.: ich hab mich mit meiner rotbraunen Patina geschämt wie ein Bettseicher in so einem vornehmen, vollklimatisierten Laden)
Ansonsten sind Karatha und das benachbarte Dampier reine Industriestädte, in denen nur das Erz aus den Mienen im Inland verschifft wird. Darum haben wir uns ziemlich schnell vom Acker gemacht und sind jetzt am Meer in Point Samson auf einem nagelneuen Campingplatz gelandet. Unterwegs haben wir eine Bucht überquert in welcher der Gezeitenhub, hier bis zu 11 Meter, so ausgeglichen wird
 
 
Bei Flut geht es dann andersrum.
 
(C.: Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie lange ich vorhin geduscht habe um die Patina runter zu bekommen und wie toll das ist, wenn man wieder Strom für Licht, Wasserkocher und Kühlbox hat..........und für Matthias eine Waschmaschine) (M: was ja nur heißt, dass ich gleich nach der Ankunft unsere gesamte Wäsche, die eine komplette Einheitsfarbe hatte, reingestopft habe)
 
Na ja, und ansonsten Grüße an alle. Die nächsten 2 Tage dürften wir Internet haben, so dass wir uns melden können, danach wird vermutlich 1 bis 2 Wochen nichts mehr gehen.
 
Ps: Ist Sabrina mit den Flug-(Staub-)problemen nach London gekommen?

2 Kommentare:

  1. Die letzten Tage haben mich total begeistert! Großartige Landschaften und tolle Fotos davon, eins schöner als das andere.

    Ihr habt ja wirklich eine Menge erlebt... Bei der Hitze hätte man mich wahrscheinlich überhaupt nicht mehr aus dem Wasser rausbekommen, zumal ich es liebe, in natural pools zu baden. Die berüchtigten Krokodile gab es in euren Parks, dem Karijini etc, offenbar nicht? Auch sonst keine gefährlichen Tiere??

    Die Bilder von der leuchtend roten Piste mit den schwarzen Regenwolken darüber fand ich übrigens besonders beeinruckend - die hatten so etwas Künstlerisches.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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  2. Das hatte ich ganz vergessen:
    Der Weg die Joffre Gorge runter sieht für mich geradezu lebensgefährlich aus! Ich glaube, das würde ich mich nicht trauen. Seid ihr denn sehr versierte Wanderer, frei von Höhenangst und mit etwas Klettererfahrung?

    Liebe Grüße,Brigitte

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